Die erstaunliche Weltkarriere einer Zeitschleife

Punxsutawney Phil am Murmeltiertag 2022 in Pennsylvania Foto: Anthony Quintano · CC BY 2.0
Das echte Murmeltier: Punxsutawney Phil, dessen alljährliche Wettervorhersage den Film »Und täglich grüßt das Murmeltier« inspirierte.

Es kommt nicht oft vor, dass ein Film zum Sprichwort wird. Und täglich grüßt das Murmeltier hat es geschafft: Im Englischen steht »a Groundhog Day« seit 1993 für alles, was sich zermürbend wiederholt – der ewig gleiche Tag, aus dem es kein Entrinnen gibt. Soldaten tauften ihre eintönigen Einsätze so, sogar ein US-Präsident benutzte den Ausdruck vor seinen Truppen. Aus einer Komödie mit Bill Murray war eine Vokabel geworden. Doch das ist nur die Oberfläche einer erstaunlich tiefen Geschichte.

Die Idee ist einfach und unheimlich zugleich: Der zynische Wettermoderator Phil Connors wacht am Murmeltiertag im verschlafenen Punxsutawney auf – und dann noch einmal, und noch einmal, gefangen im selben 2. Februar. Wie lange? Der Film sagt es nie; es dauert genau so lange, bis Phil ein besserer Mensch geworden ist. Aus dieser schlichten Konstruktion ist ein ganzes Genre erwachsen. Ohne das Murmeltier gäbe es kein Edge of Tomorrow, kein Happy Death Day, keine Russian Doll, kein Palm Springs – die Zeitschleife ist heute so populär wie nie, und sie trägt bis heute den Namen dieses einen Films.

Am erstaunlichsten aber ist, wer diesen Stoff alles für sich beansprucht. Kaum war der Film in den Kinos, begannen die Deutungen. Buddhisten erkannten in Phils endloser Wiederkehr das Rad von Samsara, den Kreislauf aus Sterben und Wiedergeburt. Christen lasen die Geschichte als Fegefeuer und Auferstehung, Rabbiner predigten über sie, Yogis, Psychoanalytiker und sogar Ökonomen fanden »ihre« Botschaft darin. Regisseur Harold Ramis, der das Ganze mit einem Lächeln verfolgte, bekam Post aus aller Welt – und wunderte sich vor allem darüber, dass jede Gruppe überzeugt war, der Film handle allein von ihr, statt in all den Deutungen etwas Gemeinsames zu sehen. Als das Museum of Modern Art 2003 eine Filmreihe über den Glauben zusammenstellte, neben Bergman und Hitchcock, war der Eröffnungsfilm ausgerechnet diese Komödie.

Woher diese Wucht? Vielleicht, weil die Zeitschleife etwas trifft, das jeder kennt. Unsere Tage gleichen einander mehr, als uns lieb ist: derselbe Wecker, derselbe Weg, dieselben Reflexe. Phil Connors ist wir alle an einem schlechten Tag – überdrüssig, abgestumpft, überzeugt, dass nichts zählt. Erst als er aufhört, dem nächsten Tag hinterherzujagen, und beginnt, den einen, den er hat, mit Aufmerksamkeit und Güte zu füllen, öffnet sich die Falle. Das ist keine Religion und wird doch von allen geteilt: die Ahnung, dass sich ein Leben nicht an der Zahl seiner Tage misst, sondern daran, wie man sie lebt.

Es gehört zur Ironie dieser Geschichte über zweite Chancen, dass sie im echten Leben eine Freundschaft kostete. Bill Murray und Harold Ramis, die zuvor Ghostbusters zusammen gemacht hatten, zerstritten sich bei den Dreharbeiten so gründlich, dass sie über zwanzig Jahre kein Wort mehr miteinander wechselten – und sich erst kurz vor Ramis’ Tod wieder versöhnten. Ausgerechnet die Komödie über die zweite Chance brauchte selbst über zwanzig Jahre bis zu ihrer eigenen.

Zur Produktion: Und täglich grüßt das Murmeltier (2026)

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