Christian trägt schwer an der Last seiner Schuld. Als der Evangelist ihm den Weg weist, lässt er alles zurück und macht sich auf die gefährliche Reise zur Himmlischen Stadt – vorbei an Versuchung, Zweifel und dem Dämon Apollyon. Nick Taylors südafrikanisches Rockmusical nach John Bunyans »The Pilgrim’s Progress« kam 1982 in Wetzlar zur europäischen Erstaufführung.
Foto: Archiv Peter Merck
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Komponist Nick Taylor mit der Partitur von »Christian!« Komponist Nick Taylor mit der Partitur von »Christian!«Foto: Archiv Peter Merck
Anne Berghöfer · Sabine Deusing · Jutta Engelhardt · Sabine Harnisch · Andrea Jung · Christopher Lich · Annerose Nitschmann · Stefanie Rumpf · Wiebke Sarges · Gerhild Schmidt · Bettina Stankewitz · Regina Vogel · Suzan Wallner · Ulrike Wilmers · Christiane Zitzer
Von dieser Produktion ist leider keine vollständige Besetzungsliste und kein vollständiges Programmheft in unserem Archiv erhalten geblieben. Daher sind die hier angegebenen Namen unvollständig.
Neben der guten schauspielerischen und vokalen Leistung der Truppe, bei denen die Hauptrollen bestens besetzt waren und vor allem Petra Hartmann viel Sonderapplaus erhielt, gefielen auch die Bühnenbilder vom Kunstkurs 11m der Wetzlarer Schule. Ein weiteres Lob ist den Maskenbildnern auszusprechen, die bei den »Mad Inhabitants« zum Teil wahre Kunstwerke vollbrachten. Nicht zuletzt trug die Band durch gute musikalische Leistung zum Gelingen des Stückes bei.
Sehr beeindruckend war die Gestaltung der Kostüme und Masken, in denen die monumentale Besetzung die Bühne bevölkerte. [...] Ein dickes Lob verdient die musikalische Gesamtleistung der jugendlichen Darsteller. Zu rockigen Klängen der Band trugen die Hauptdarsteller Petra Hartmann, Franziska Heitmann, Michael Thomas und Anette Thomas Musiktitel vor, die nicht immer aus einfachen Klangfolgen bestanden, was selbst geübten Sängern Schwierigkeiten bereitet haben dürfte.
Die Aufführung in Wetzlar ist eine europäische Premiere, da das Musical bisher weder von Amateuren noch von Professionellen außerhalb von Südafrika gespielt worden ist. Dies ist eine besondere Auszeichnung für die engagierte Gruppe, da normalerweise erst professionelle Ensembles die Aufführungsrechte erhalten.
Der Komponist Nick Taylor aus Johannesburg kann stolz auf den Start seines Musicals auf europäischem Boden sein, denn was die 40-köpfige Truppe der Gymnasialen Oberstufenschule daraus gestaltet hat, ist ein durchschlagender Erfolg.
»Christian«, the magical musical written by Nick Taclor and presented here some years ago, is to be stages by a German company for Vienna’s famous International Youth Theatre Festival.
»Christian« was the musical, based on a Bunyan tale, wich Nick wrote together with Alex Learmont and in which he also starred with Amanda Strydom in 1979. »The most amazing thing has happened with ›Christian‹,« Nick enthuses. »A teacher in West Germany, Peter Merck, found a copy of out recording while browsing in a Berlin record shop. He’s planning to produce it with the Wetzlar musical group in June!«
Die Jungen und Mädchen »trugen noch einmal zusammen«, was die gute Story von der Evangelisation der Holy-Glory-Band im Straßengangsterviertel an Zündstoff zu bieten hatte, wobei mit der Bibel in der Hand »Freude war« über den einen »Sünder« der »Buße« tat.
Der Beifall war entsprechend überwältigend
Zur Premiere kamen Grüße aus Südafrika: Komponist Nick Taylor hatte es sich nicht nehmen lassen, der Musicalgruppe der Wetzlarer Goetheschule, die jetzt sein Musical »Christian!« aufführte, mit einem Blumengebinde alles Gute zu wünschen. [...] Das Ensemble ertanzte sich mehrere Zugaben. Der reiche Beifall schloss Bühnenbildner, Maske und Technik gleichermaßen verdient mit ein.
»Christian!« ist ein Rockmusical des südafrikanischen Komponisten Nick Taylor, der Buch und Liedtexte gemeinsam mit Alex Learmont verfasste. Es ist eine freie Bearbeitung von John Bunyans »The Pilgrim’s Progress« (1678), einer der berühmtesten christlichen Allegorien der Weltliteratur. Taylor holt den alten Stoff in die Gegenwart: In einem rauen Straßenviertel zieht die »Holy Glory Band« mit großer Trommel und Blechbläsern umher und predigt den Bewohnern – daher der Untertitel »Follow the Man with the Big Bass Drum in the Holy Glory Band«. Uraufgeführt wurde das Stück 1979 in Durban.
Im Mittelpunkt steht Christian, den die Last seiner Schuld niederdrückt. Der Evangelist weist ihm den Weg aus der dem Untergang geweihten Stadt und schickt ihn auf die Suche nach der Himmlischen Stadt. Christian bricht auf, obwohl man ihn für verrückt erklärt. Unterwegs muss er der Versuchung widerstehen – etwa auf dem Jahrmarkt »Vanity Fair«, wo alles Weltliche zu haben ist – und den Kampf gegen den Dämon Apollyon bestehen. Auch Christiana macht sich auf denselben Weg. Was Bunyan als geistliche Pilgerfahrt erzählt, wird bei Taylor zu einer lauten, rockigen Show über einen Menschen, der aus seinem alten Leben ausbricht.
Außerhalb Südafrikas war »Christian!« nie zu sehen gewesen, bis Peter Merck, der Gründer der Musicalgruppe, in einem Berliner Plattenladen zufällig die Aufnahme entdeckte. Die Wetzlarer Inszenierung von 1982 war die europäische Erstaufführung.
In einem heruntergekommenen Straßenviertel, wo Gewalt und Gleichgültigkeit den Alltag bestimmen, zieht die »Holy Glory Band« mit großer Trommel und Blechbläsern umher und predigt den Bewohnern die Hoffnung auf ein anderes Leben. Unter den verlorenen, halb wahnsinnigen Gestalten dieser dem Untergang geweihten Stadt – den »Mad Inhabitants« – lebt Christian, ein junger Mann, der schwer an der Last seiner Schuld trägt.
Eines Tages tritt ihm der Evangelist entgegen und weist ihm einen Ausweg: Er müsse die Stadt verlassen und sich auf die Reise zur fernen Himmlischen Stadt machen, wo seine Bürde von ihm abfallen werde. Christian fasst den Entschluss aufzubrechen – auch wenn Freunde und Nachbarn ihn für verrückt erklären und ihn zurückzuhalten versuchen. Allein und von Zweifeln geplagt, macht er sich auf den gefährlichen Weg.
Die Reise führt Christian durch Versuchung, Angst und Einsamkeit. Er durchquert die Nacht des Zweifels und begegnet Gestalten, die vorgeben, ihn zu kennen, und ihn vom Weg abbringen wollen. Auf dem Jahrmarkt »Vanity Fair« wird ihm alles Weltliche feilgeboten – Reichtum, Vergnügen, Eitelkeit –, und prahlerische, verführerische Figuren wollen ihn mit dem Versprechen des schnellen Glücks von seinem Ziel abbringen. Christian widersteht.
Seine schwerste Prüfung ist der Kampf gegen den Dämon Apollyon, der ihm den Weg versperrt und ihn mit Bildern des Schmerzes und der Verzweiflung zu brechen sucht. Auch diese Begegnung besteht Christian. Denselben beschwerlichen Weg nimmt Christiana auf sich, die ihm folgt und sich ebenfalls der Suche nach der Himmlischen Stadt verschreibt.
Am Ende, nach allen Anfechtungen, erreicht Christian das Licht – den Anbruch des Morgens, den Augenblick im Sonnenlicht, den die Pilger als Ziel ihrer Reise ersehnt haben. Was John Bunyan 1678 als geistliche Allegorie erzählte, wird bei Nick Taylor zu einer lauten, rockigen Parabel über einen Menschen, der den Mut findet, aus seinem alten Leben auszubrechen und einem Ruf zu folgen, den die anderen nicht hören: »Follow the man with the big bass drum in the Holy Glory Band.«