Während alle Schülerinnen eines französischen Mädchenpensionats ihren Tanzpartner für den großen Karnevalsball schon gefunden haben, will dies der hübschen, reichen Polly Browne nicht gelingen. Doch natürlich trifft auch sie noch einen Liebhaber, und in das allgemeine Happy-End mischen sich auch noch die zuletzt glücklichen Eltern des jungen Paares ein.
Foto: Archiv Peter Merck
Foto: Archiv Peter Merck
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Foto: Archiv Peter Merck
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Peter Pleyer · Heike Skorvan
Bei den Kostümen half das Stadttheater Gießen aus.
Von dieser Produktion ist leider keine vollständige Besetzungsliste und kein vollständiges Programmheft in unserem Archiv erhalten geblieben. Daher sind die hier angegebenen Namen unvollständig.
Die beiden Aufführungen des Musicals »Boyfriend« von Sandy Wilson am Wochenende waren ein Feuerwerk aus Musik, gelungenen Gags und viel Tanz.
Sowohl stimmlich als auch schauspielerisch überzeugten Claudia Knetsch als Polly Browne und Kai Saalbach als liebesgeplagter Tony.
Die jungen Darsteller glänzten nicht nur mit Charleston- und Tangovorführungen, mit einer guten Band und schönen Stimmen, sondern ihre Lebendigkeit und Begeisterung sprang auch auf das Publikum über.
Madame Dujardin leitet, unterstützt von ihrer Zofe Hortense, ein Mädchenpensionat für höhere, vor allem englische Töchter in Nizza. Außerdem tummeln sich weitere englische Herrschaften an der Côte d’Azur, unter ihnen der junge Herr Tony, fein aussehend, jedoch als Botenjunge auftretend, der Stahlkönig Percival Browne, mit den Jahren steif geworden, sowie die seit 30 Jahren verheirateten Lord und Lady Brockhurst – er hat sich seine Lebenslust erhalten und sie ihre Lust am Nörgeln.
Die Damen aus dem Pensionat treffen Vorbereitungen für den Karnevalsball. Nur Polly Browne steht etwas abseits, sie zeigt den Brief eines Verehrers aus Paris, den sie aber selbst geschrieben hat. Ihr strenger Vater untersagte jede Annäherung ans andere Geschlecht, da es die jungen Herren doch nur auf ihr Geld abgesehen hätten. Also muss sie einen Boyfriend erfinden, um mit den anderen mitzuhalten. Sie beichtet das Madame Dujardin, die ihr auf die
Schliche gekommen ist; dabei erfährt sie vom Besuch ihres Vaters, der geschäftlich in der Nähe zu tun hat.
Dieser Besuch wird eine große Überraschung für Madame Dujardin, denn zu Percival Browne hatte sie einst eine sehr enge Beziehung. Der will beim unverhofften Wiedersehen vorerst nicht daran erinnert werden. Polly wartet auf ihren Vater und sieht dabei den Mann ihrer Träume, den Botenjungen Tony, der ihr das Abendkleid für den Karnevalsball bringt. Sie verabreden sich zum Spaziergang am Strand und zum Tanz am Abend. Am Nachmittag treffen die jungen Pensionatsdamen ihre Verehrer auf der Strandpromenade. Dort wandeln auch Lord und Lady Brockhurst, ihr Gesprächsthema ist der Sohn Tony, das Sorgenkind, der kurz vor dem Examen aus Oxford verschwand, da er keine Lust auf die steile Karriere hatte. Lord Brockhurst lässt sich durch den Anblick der vielen hübschen Mädchen zum Unmut seiner Gemahlin gerne von den Sorgen ablenken. Polly gibt sich vor Tony als Sekretärin aus, so glaubt sie sicher sein zu können, dass er nicht hinter ihrem Geld her ist. Beim Küssen werden die beiden prompt von Hortense erwischt, die verspricht, nicht zu petzen. Madame Dujardin schleppt ihren ehemaligen Liebhaber Percival zum Strand, noch immer ist ihm dieses Wiedersehen peinlich. Ihn mit einem gestreiften Badeanzug aufzumuntern schlägt fehl. Wenigstens steht er Lord Brockhurst nicht ablehnend gegenüber. Lady Brockhurst hegt für die Begeisterung ihres Mannes über Madame Dujardin wieder einmal Argwohn.
Gerade als Tony Polly zum Abschied küsst, glaubt Lady Brockhurst, ihre Brosche verloren zu haben. Da Tony so rasch verschwindet, denken alle, er sei der Dieb der Brosche. Auch Polly ist derart enttäuscht, dass sie auf keinen Fall zum Ball gehen will. Am Abend kommen alle auf die Terrasse des Café Pataplon zum Ball. Madame Dujardin gelingt es, in Percival halbwegs den charmanten und zärtlichen Herrn aus vergangenen Zeiten zu wecken. In einer Tanzpause erzählen die jungen Mädchen aufgeregt von ihren Heiratsanträgen. Wie sie sich entscheiden, wollen sie aber erst um Mitternacht sagen. Tony bittet Hortense, bei Polly den Postillon d’amour zu spielen. Lord Brockhurst ist für Lady Brockhurst wieder einmal zu lebenslustig. Percival, inzwischen ganz der Alte, tanzt auf dem Tisch.
Plötzlich erscheint Polly. Immer noch betrübt, weist sie Tony zunächst ab, ist aber umso glücklicher, als sich das Missverständnis aufklärt: er ist kein Dieb, sondern Lord und Lady Brockhursts Sohn. Natürlich ist sie nicht länger Sekretärin, sondern Tochter des Stahlkönigs Percival Browne. Nizza scheint im Glück, als die jungen Damen »Ja« sagen und Percival Browne und Madame Dujardin ein Paar werden.
»The Boy Friend« war die fünfte Produktion der Musicalgruppe. Getragen wurde sie von Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufen elf bis dreizehn, die seit dem Herbst 1983 an dem Stück gearbeitet hatten. Zwei Aufführungen in der Aula der Goetheschule am 22. und 23. Juni 1984 sahen über 1400 Zuschauerinnen und Zuschauer; am Freitag, dem 29. Juni, gastierte die Gruppe damit im Amerikanischen Kellertheater in der Gießener Grünberger Straße. Im Herbst folgten zwei weitere Vorstellungen, am 1. und 2. Oktober 1984 in der Gießener Zigarrenfabrik.
Regie führte Peter Merck, der an der Goetheschule Englisch unterrichtete. Peter Marschall leitete die Musik vom Klavier aus und hatte die Band für diese Produktion um ein Saxophon erweitert; Wolfgang Mutz studierte die Tänze ein – Charleston, Tango und Walzer – und legte im dritten Akt mit Heike Skorvan ein Tangosolo aufs Parkett. Bei den Kostümen, Strohhüte und geringelte Badeanzüge, half das Stadttheater Gießen aus.
Aus der Besetzung hoben die Kritiken Claudia Knetsch als Polly Browne und Kai Saalbach als Tony hervor, dazu Isabel Schulte als Maisie und Peter Pleyer als alternden Gentleman.