Archiv · 1985/86

Swan Esther

Premiere
23. Mai 1986
Wo
Goetheschule Wetzlar & Stadttheater Gießen (Kleines Haus in der Zigarrenfabrik) & Haus des Gastes Braunfels
Deutsche Erstaufführung
Vorstellungen
4
Worum es geht

Als der Perserkönig ein Fest unter Ausschluss der Frauen gibt, empört sich Königin Vashti (Simone Schaub) und feiert mit ihren Freundinnen, wobei sie sich zur radikalen Feministin entwickelt, als sie der König am Hof »zur Schau stellen« will. Auf Anraten des intriganten und selbstherrlichen Haman wird Vashti verbannt, der König soll sich seine neue Frau durch einen Schönheitswettbewerb erwählen.

Ahasuerus merkt, daß Esther anders als die anderen Frauen ist, besteht aber weiter auf der Geschlechtertrennung bei Hofe. Am Ende ist das einfache Judenmädchen zum »Schwan« geworden und darf mit gleichen Rechten am Hofe leben.

Mitwirkende

Ensemble
EstherKatja Graf
PashaFelix W. Richter
KöniginSimone Schaub
HamanMichael Sauer
PremierministerFrank Steinhauer
ZeremonienmeisterArnim Bühler
WächterWolfgang Jung · Jan Stamer
ChronistPeter Merck
ChorPetra Fischer · Lydia Harzer · Wolfgang Mutz · Claudia Peschke · Simone Schaub
In weiteren Rollen

Simone Anders · Karin Dierks · Susanne Dressier · Yvonne Guth · Christina Heitmann · Steffen Lenz · Claudia Mayer · Susanne Pohl · Karen Schreiber · Barbara Skamletz · Almuth Süberkrüb · Tanja Vinck · Annegret Schmidt und Oliver Weigand

Band
Lothar Determann · Philip Hardt · Dirk Hölscher · Ulrich Kleineidam · Thorsten Läufer · Peter Marschall · Christoph Schulz
Kreativteam
RegiePeter Merck
Musikalische LeitungPeter Marschall
ChoreographieWolfgang Mutz · Karin Dierks

Von dieser Produktion ist leider keine vollständige Besetzungsliste und kein vollständiges Programmheft in unserem Archiv erhalten geblieben. Daher sind die hier angegebenen Namen unvollständig.

Handlung

Der Perserkönig Ahasuerus feiert das dritte Jahr seiner Herrschaft mit einem prunkvollen Fest; seine Frau Vashti lädt zur selben Zeit zu ihrer eigenen Feier. Am siebten Tag lässt der König sie holen, um sie seinen Gästen vorzuführen – und Vashti weigert sich. Der Hof sieht darin nicht nur eine Kränkung des Königs, sondern ein gefährliches Vorbild für alle Ehefrauen des Reiches: Die Königin wird verstoßen, und ein landesweiter Schönheitswettbewerb soll ihre Nachfolgerin finden.

Am Hof lebt der alte Sänger Mordecai, Vormund seiner Cousine Esther. Er meldet sie zum Wettbewerb an und schärft ihr ein, ihre Herkunft zu verschweigen. Ein Jahr lang werden die Bewerberinnen im Palast auf ihren Auftritt vorbereitet; als Esther schließlich vor den König tritt, wählt er sie ohne Zögern zur Königin.

Kurz darauf belauscht Mordecai zwei Kämmerer, die den König ermorden wollen. Er warnt Esther, Esther warnt ihren Mann, die Verschwörer werden gefasst und gehängt – und der König merkt sich den Namen des Mannes, der ihm das Leben gerettet hat. Zum Vorsteher seines Hofes aber ernennt er Haman, einen ehrgeizigen Emporkömmling, vor dem sich fortan alle verneigen sollen. Mordecai verweigert ihm die Ehrerbietung: Sein Volk beuge sich nur vor Gott. Der gedemütigte Haman erwirkt daraufhin einen Erlass, der nicht nur Mordecai, sondern dessen ganzes Volk zum Tode verurteilt – und der schwache König unterschreibt.

Esther darf den König nicht unaufgefordert aufsuchen. Sie tut es trotzdem – und er verspricht ihr jeden Wunsch. Sie bittet ihn und Haman zum Essen, und für den nächsten Abend ein zweites Mal. Haman, seiner Sache sicher, lässt schon den Galgen für Mordecai errichten. In derselben Nacht findet der König keinen Schlaf und lässt sich die Chronik seiner Regierung vorlesen; so erfährt er, dass Mordecais Tat nie belohnt wurde. Ausgerechnet Haman muss ihm raten, wie man Verdienst würdigt – und die vorgeschlagenen Ehren dann selbst an Mordecai überbringen. Beim zweiten Abendessen nennt Esther ihren Wunsch: das Leben ihres Volkes und ihr eigenes. Als der König begreift, wessen Erlass das ist, endet Haman an dem Galgen, den er für Mordecai gebaut hatte.

Von der Idee zum Musical

Wie »Swan Esther« entstand, hat der Komponist Nick Munns 2014 im Booklet der CD-Wiederveröffentlichung des Konzeptalbums erzählt. Im Oktober 1980 schickte er ein unverlangtes Demoband an David Land, den Londoner Agenten, der die frühen Karrieren von Andrew Lloyd Webber und Tim Rice betreut hatte: fünf Songs aus zwei Musicals, die Munns für eine Schule im Londoner Osten geschrieben hatte. Land bat um mehr – Anfang Dezember lagen siebzehn Songs vor – und war überzeugt genug, um für Munns einen Textdichter zu suchen. Tim Rice sagte ab, er arbeitete gerade an »Blondel«.

Stattdessen erinnerte sich Land an den Cartoonisten Jack Oliver, der unter dem Namen J. Edward Oliver zeichnete. Aufgefallen war er ihm, weil er in einem Cartoon für das Magazin »Disc« das Musical »Evita« erwähnt hatte – Land schickte ihm daraufhin das Konzeptalbum, Oliver brachte das Musical in der Woche darauf in einem ganzseitigen Cartoon 54 Mal unter, und Land revanchierte sich mit 54 Schallplatten. Anfang 1981 begannen die beiden mit der Arbeit an einem Musical über das biblische Buch Esther: Munns schrieb jeweils zuerst die Musik, Oliver dann den Text.

Die erste Aufführung fand Ostern 1982 an der Curwen Junior School im Londoner Stadtteil Plaistow statt – eine Schulproduktion mit etwa einem Dutzend der Songs, im Publikum saßen David Land, Stanley Black und Tim Rice. Im Juli 1982 sang der Chor der King’s House School Richmond das vollständige Werk konzertant in der St Matthias’ Church, während Olivers Cartoons zu jedem Song auf eine Leinwand projiziert wurden. Wie zuvor bei »Jesus Christ Superstar« und »Evita« erschien danach zuerst ein Konzeptalbum: aufgenommen im Februar 1983 in den Londoner Marquee Studios unter der musikalischen Leitung von Stanley Black, mit Stephanie Lawrence als Esther, Denis Quilley als Haman, Clive Carter als Mordecai und Stephen Hill als König Ahasuerus.

Die erste vollständig szenische Aufführung übernahm im Juli 1983 das Cheltenham Ladies’ College; die professionelle Premiere folgte am 17. Dezember 1983 am Londoner Young Vic Theatre, inszeniert von Frank Dunlop, produziert von Robert Stigwood und David Land, mit Amanda Redman, Sam Kelly, David Henry und James Coombes in den Hauptrollen. Nach 26 Vorstellungen war am 7. Januar 1984 Schluss. 1985 ging das Stück – um zusätzliche Songs von Shirlie Roden und John Miller erweitert und in »Swan Esther and the King« umbenannt – unter dem Produzenten Bill Kenwright auf eine Tournee durch neun britische Theater, die im Juli 1985 in Canterbury endete. Ein Profitheater hat das Werk seither nicht mehr gespielt.

Wir spielten im Mai 1986 die ursprüngliche Fassung »Swan Esther«, nicht die erweiterte Tourneefassung – als Deutsche Erstaufführung, knapp ein Jahr nach dem Ende der britischen Tournee.

Die Musiknummern

Die Titelfolge der ursprünglichen Fassung, wie sie das Konzeptalbum von 1983 festhält:

Introduction and Bow Down – Ahasuerus, Chor
A Far Outpost of Persia – Mordecai
The Queen’s Party – Mordecai, Hofdamen
The Emperor’s Wrath – Mordecai, Ahasuerus
Haman’s Advice – Haman, Ahasuerus
A Bright Idea – Mordecai, Ahasuerus, Haman
I’ve Neglected to Mention – Mordecai, Esther
We All Need – Chor
My Love Is Like a Dream – Esther
Bow Down (Let’s Meet the Queen) – Haman, Chor
A Strange Girl – Ahasuerus
Kill the King! – Mordecai, Chor
The Emperor’s Memoirs – Ahasuerus, Esther
Treason – Ahasuerus
I Am Great! – Haman, Mordecai
I Don’t Trust Haman – Haman, Esther, Mordecai
Nothing to Lose – Chor
Esther – Ahasuerus, Esther
Evil Haman – Haman, Chor
The King Can’t Sleep – Ahasuerus
Finale (Haman’s the One / Ahasuerus Repents / Esther and Mordecai / Swan Esther) – Ensemble

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