Ein Mädchenpensionat steht vor dem Bankrott – und die Schülerinnen spielen sich frei: mit Ismaels selbstverfasster Musicalfassung von Moby Dick, in der die Direktorin, traditionell von einem Mann gespielt, den Kapitän Ahab gibt. Robert Longdens Camp-Parodie macht aus Melvilles Klassiker ein Spiel im Spiel voller Doppeldeutigkeiten – ohne der Jagd nach dem weißen Wal ihre Tragik zu nehmen.
Auf seiner Suche nach einem geeigneten Schiff trifft er eines Tages Captain Ahab, der durch den weißen Wal »Moby Dick« ein Bein verloren hat.
Ahab hat geschworen sich an »Moby Dick« für den Verlust seines Beines und die daraus resultierende Scheidung von seiner Frau zu rächen.
Während der Reise bleibt Ahab für Wochen in seiner Kabine eingeschlossen. Als er wieder vor seine Mannschaft tritt, ist er völlig dem Wahn verfallen.
Der erste Maat Starbuck beschließt zu meutern, muss jedoch feststellen, dass er seinen Captain nicht töten kann.
Nach Monaten auf See und wenigen Walsichtungen beschließt der Wal »Moby Dick« selbst, zu Captain Ahab zu kommen.
Es kommt zum finalen Kampf, bei dem nur einer überleben kann.
Die Verfasser des Stückes sind Robert Longden und Hereward Kaye mit der musikalischen Bearbeitung von Martin Koch mit der deutschen Übersetzung von B. Wieland Weitz.
Robert Longden, der Komponist des Stückes mit dem Originaltitel »Moby Dick – A NEW Musical« hat es geschafft, das tragische Werk mit Charme und viel Witz zu einem Musicalerlebnis ohne Gleichen zu machen, ohne dabei die Tragik zu verlieren. »Moby Dick« ist ein Musical mit modernen, fetzigen Liedern und spannender Story.
Foto: Deutscher
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Zu sehen war er nie. Zu hören war sein Blasen. Zu spüren seine Nähe an der Angst der anderen. Moby Dick, der gigantische weiße Wal, hielt nicht nur die Goetheschüler in Atem. Auch das Publikum im Wetzlarer Rosengärtchen zitterte mit, als sich Kapitän Ahab und seine Crew auf die Jagd nach dem Ungeheuer machten. Frei nach der Vorlage von Herman Melville präsentierte die Musicalgruppe am Samstag eine tragisch-komische Deutschlandpremiere.
Den wohl effektvollsten Auftritt legte Christian Reim in der Rolle des menschenfressenden Queequeg hin. Nur mit einem Lendenschurz bekleidet, die Haut kriegerisch bemalt, die Haare nach Punker-Art gestylt, war Reim die optimale Besetzung des Wilden. Seinen Speer schwingend tanzte der 19-Jährige über die Bühne, stieß undefinierbare Laute aus und verfiel in den Singsang eines Eingeborenen.
Gesanglich brillierte im Rosengärtchen vor allem Jennifer Müller. Bei ihren Soloauftritten als Starbuck beeindruckte die Abiturientin mit ihrer überraschend gut ausgebildeten Stimme und ihrem sicheren Auftreten. Die Ausdrucksstärke ihrer Stimme, die das ganze Rosengärtchen erfüllte, erzeugte bei so manchem eine Gänsehaut.
Moby Dick! ist kein gewöhnliches Melville-Musical, sondern eine ausgelassene Camp-Parodie voller Doppeldeutigkeiten. Der Rahmen ist ein Spiel im Spiel.
Im Mädchenpensionat St. Godley’s stimmen die Schülerinnen zur Begrüßung ihrer Direktorin – traditionell von einem Mann in Frauenkleidung gespielt – pflichtschuldig die Schulhymne an (»Hymn«). Doch die Stimmung kippt: Am Elterntag muss die Direktorin verkünden, dass die Schule bankrott ist und zum Ende des Trimesters schließen wird (»Parents’ Day«). Entschlossen, ihr geliebtes Internat zu retten, beschließen die Mädchen, zur Geldbeschaffung Ismaels selbstverfasste Musicalfassung von Moby Dick aufzuführen – mit der Direktorin in der begehrten Rolle des Kapitäns Ahab.
Es ist Premierenabend. Die nervöse Ismael besingt ihre Sehnsucht nach dem verbotenen Meer (»Forbidden Seas«) und findet sich an den Docks von Nantucket wieder, wo sie die Mannschaft der Pequod trifft – eben von einer unglücklichen Jagd zurück, bei der Ahab ein Bein an einen wilden Wal verlor (»In Old Nantucket«). Ismael sucht ein Nachtquartier im Spouter Inn.
Unterdessen wartet Esta, Ahabs Frau, bang auf die Heimkehr ihres Mannes (»A Man Happens«). Er kommt mit Pip und einer Truhe voll Gold – doch er bringt schlechte Nachricht: An Moby Dick verlor er nicht nur sein Bein, sondern auch seine Manneskraft (»Ahab’s Curse«). Als er seinen Elfenbeinstumpf enthüllt, kann Esta ein Kichern nicht unterdrücken, und die Festgesellschaft stimmt ein (»Gypsy Dancer«). Gedemütigt verstößt Ahab sie; sie stürzt sich aus dem Fenster in den nassen Tod, während er sich in seine Kajüte zurückzieht, wo Pip den betrunkenen Kapitän betreut, der seiner Esta nachtrauert (»Love Will Always«).
Im Spouter Inn soll Ismael das Zimmer mit Queequeg teilen, dem kannibalischen Harpunier – der sich jedoch als sanftmütig erweist, sodass die beiden Freunde werden (»Primitive«). Zwischen Andacht und Aufbegehren der Mannschaft (»Punish Us«, »People Build Walls«) reift Ismaels Entschluss: Sie wählt ausgerechnet die Pequod (»Pequod«). Vergeblich warnt der einarmige Elias, Ahab und sein Schiff seien verflucht (»At Sea One Day«). Am Weihnachtstag sticht die Pequod schließlich in See (»Building America«).
Die Pequod hat einen Winter voller Stürme überstanden (»Living Shadows«); der erste Maat Starbuck tritt hervor (»Mr Starbuck«). Nach einem Jahr lobt der zusehends wahnsinnige Ahab eine Golddublone für den aus, der den großen weißen Wal erspäht, und lässt die Mannschaft jagen, während er auf Moby Dick wartet (»Heave Away«). Beim ausgelassenen Treiben nahe dem Äquator (»Deck Dance«) stellt Starbuck den Kapitän wegen seiner Besessenheit zur Rede; Ahab gesteht sie ein, kann ihr aber nicht widerstehen (»Can’t Keep Out the Night«).
Nachts wandelt Ahab schlafwandelnd umher, verfolgt von den Stimmen Moby Dicks und der toten Esta (»Ahab’s Insomnia«). Starbuck versucht, die Mannschaft zur Meuterei aufzuwiegeln, und schwört, Ahab zu töten (»A Whale of a Tale«) – bringt es im letzten Moment jedoch nicht übers Herz. Die Jagd fordert derweil ihren blutigen Tribut (»Daily Massacre«). Da sichtet Ismael ein englisches Walfangschiff: Kapitän Gardiner kommt an Bord, ebenfalls auf der Jagd nach dem weißen Wal, für die er Mannschaft und Familie verloren hat (»Ship Ahoy«).
Ein Sturm zieht auf; Pip wird über Bord gerissen und stirbt, doch Ahab treibt unbeirrt weiter (»Shadows of the Deep«, »Storm«). Endlich wittert Ahab seinen Widersacher, und die Mannschaft harpuniert wie besessen (»Heave Away – Ahab’s Reprise«). Doch Moby Dick rammt das Schiff: Während die Crew um ihr Leben schwimmt, ergibt sich Ahab seinem Feind (»The Whale’s Revenge«). Einzig Ismael überlebt, treibend auf Queequegs Sarg.
Mit dem Ende der Geschichte springt das Ensemble aus der Kulisse. Die Direktorin erscheint in schriller Robe, zwei prall gefüllte Geldkoffer in den Händen: Die Schule ist gerettet – großer Jubel zum Schluss (»Save the Whale«).