Worum es geht

In einer Höhle werden die Kinder Rick, Ron und Ruthie Taylor von »Bat Boy« angefallen, einer Mischung aus Fledermaus und Junge. Bat Boy wird gefangen und dem Tierarzt Dr. Parker übergeben, damit er ihn einschläfert. Parkers Frau Meredith jedoch hat Mitleid mit dem armen Wesen und bittet ihren Gatten, Bat Boy in der Familie aufwachsen zu lassen. Dr. Parker willigt ein – in der Hoffnung, in die reichlich zerrüttete Ehe möge die frühere Harmonie und Leidenschaft zurückkehren.

So erhält Bat Boy bei den Parkers daheim Unterricht und lernt Englisch von BBC-Kassetten. Sein erstklassiges Benehmen wird nur hin und wieder von schwer zu unterdrückenden Anfällen von Blutgier getrübt. Nicht zuletzt Parkers Tochter Shelley beobachtet Bat Boys Wandlung von einem gruseligen Haustier zu einem stattlichen jungen Mann mit Wohlwollen. Allerdings: Das Haus verlassen darf Bat Boy mit seinem ungewöhnlichen Erscheinen nicht. Als im Dorf, das von einem mysteriösen Rindersterben heimgesucht wird, eine religiöse Erweckungszeremonie gefeiert werden soll, begehrt Bat Boy auf. Er will sich nicht länger wegschließen lassen und zeigt sich der Menge. Der anfängliche Schrecken wandelt sich schnell in ein allgemeines Freudenfest – bis Dr. Parker erscheint und verkündet, Bat Boys Biss habe Ruthie Taylor getötet. Eine Hetzjagd beginnt. Bat Boy flieht mit Shelley in den Wald, wird aber schließlich gestellt. Um ihn zu retten, enthüllt Meredith Parker widerstrebend ihr schreckliches Geheimnis um Bat Boys Herkunft – aber es ist zu spät, um den blutigen Showdown noch abzuwenden.

Mitwirkende

Ensemble
Bat BoyFlavia Hirschfelder · Edgar Grundmann
MeredithFranziska Ritz · Ada Wiedermann-Gralla
ParkerAlexander Richter
ShellyAlicia Burgos Torres · Laura Grundmann
Mrs TaylorLisa Köpge · Anika Köpge
RuthieMarsella Casanova · Natalie Moser
RickAntonio Sasso
RonDamian Schäfer
ReverendAntonio Sasso
SheriffMichel Honold
BürgermeisterinFarah Woditschka
LorrainMarsella Casanova · Natalie Moser
DaisyAnne Schmidt
NedTheresa Frey
BridgetLydia Weide
RoyAnna Ruppik
BudJulia Burghardt
Band & Orchester
GitarreChristian Ziegler
SchlagzeugSilas Jakob
KeyboardMartin Spahr & Valerié Reinl
BassMaximilian Zandt
Kreativteam
RegieMartin Schmidt & Julian Goletzka
Musikalische LeitungGöran Unzner
Produktion
TonKai Offenbach · Moritz Feuerbach
LichtSören Krohn
BühnenbildKatharina Karl · Ricarda Kohten
BühneCarol Maria Machura · Dennis Will
Produziert vonChristian Ziegler & Göran Unzner
ProduktionsassistenzMichel Honold
Schauspieler und Publikum waren mit viel Spaß bei der Sache, und die Inszenierung von Martin Schmidt, Julian Goletzka und Regina Grundmann sowie die Musik unter Leitung von Göran Unzner konnten sich durchaus mit den Darbietungen der großen Profi-Musicaltheater messen.
Wetzlarer Neue Zeitung07.06.2008
Fledermausjunge mit Fangzähnen und Herz [...] Höhepunkt dieses Schauspiels mit Musik ist die Szene, in der die verblendeten Dorfbewohner inbrünstig Halleluja schreien und gleichzeitig unisono mit einer Art Kreuzige ihn Bat Boy zur Strecke bringen.
Gießener Allgemeine10.06.2008
Flavia Hirschfelder als Bat Boy beeindruckt durch eine intensive Körpersprache.
Oberhessische Zeitung10.06.2008

Mutig war die Entscheidung der Musicalgruppe an der Goetheschule Wetzlar, nach dem ungewöhnlichen Sondheim Musical »Assassins« kein griffigeres Stück auszuwählen. Denn »Bat Boy« erzählt die Geschichte eines Außenseiters. Die Premiere im Rosengärtchen war Ergebnis einer durchdachten Inszenierung (Martin Schmidt, Julian Goletzka, Regina Grundmann), die das zahlreiche Publikum begeistern konnte.

Kreis-Anzeiger · 10.06.2008

Handlung

In einer Höhle werden die Kinder Rick, Ron und Ruthie Taylor von »Bat Boy« angefallen, einer Mischung aus Fledermaus und Junge. Bat Boy wird gefangen und dem Tierarzt Dr. Parker übergeben, damit er ihn einschläfert. Parkers Frau Meredith jedoch hat Mitleid mit dem armen Wesen und bittet ihren Gatten, Bat Boy in der Familie aufwachsen zu lassen. Dr. Parker willigt ein – in der Hoffnung, in die reichlich zerrüttete Ehe möge die frühere Harmonie und Leidenschaft zurückkehren.

So erhält Bat Boy bei den Parkers daheim Unterricht und lernt Englisch von BBC-Kassetten. Sein erstklassiges Benehmen wird nur hin und wieder von schwer zu unterdrückenden Anfällen von Blutgier getrübt. Nicht zuletzt Parkers Tochter Shelley beobachtet Bat Boys Wandlung von einem gruseligen Haustier zu einem stattlichen jungen Mann mit Wohlwollen. Allerdings: Das Haus verlassen darf Bat Boy mit seinem ungewöhnlichen Erscheinen nicht. Als im Dorf, das von einem mysteriösen Rindersterben heimgesucht wird, eine religiöse Erweckungszeremonie gefeiert werden soll, begehrt Bat Boy auf. Er will sich nicht länger wegschließen lassen und zeigt sich der Menge. Der anfängliche Schrecken wandelt sich schnell in ein allgemeines Freudenfest – bis Dr. Parker erscheint und verkündet, Bat Boys Biss habe Ruthie Taylor getötet. Eine Hetzjagd beginnt. Bat Boy flieht mit Shelley in den Wald, wird aber schließlich gestellt. Um ihn zu retten, enthüllt Meredith Parker widerstrebend ihr schreckliches Geheimnis um Bat Boys Herkunft – aber es ist zu spät, um den blutigen Showdown noch abzuwenden.

Bat Boy in der Weekly World News

Seit am 23. Juni 1992 die Weekly World News über die Entdeckung eines Fledermaus-Jungen in einer Höhle in West-Virginia berichtete, verfolgte die amerikanische Öffentlichkeit gebannt seinen Werdegang. Der allgemeinen Welle von Abscheu und Schrecken über das Wesen wollten drei Menschen ein Zeichen des Mitleids und der Sympathie entgegensetzen: sie brachten Bat Boys Geschichte auf die Bühne. Trotz des hohen Trash-Faktors gelang Keythe Farley und Brian Flemming ein bewegendes Libretto, das beweist: In Bat Boy steckt mehr als Fangzähne und Blutdurst. Dem Hirn von Laurence O’Keefe, Komponist des Musicals »La Cava«, entsprangen mitreißende Musiknummern. Rap, Rock, Revuenummer, Ballade – Kein Musikstil ist vor ihm sicher, »Bat Boy« ist ein schriller Musical-Spaß, der jeden B-Movie in den Schatten stellt und das Zeug hat, zum Kultstück á la »Rocky Horror Show« oder »Der kleine Horrorladen« zu werden.

Entstehung

»Bat Boy« ist ein schriller Musical-Spaß, der jedes B-Movie in den Schatten stellt und das Zeug hat, zum Kultstück ähnlich »Rocky Horror Picture Show« oder »Der kleine Horrorladen« zu werden. Obgleich voll von Blut, Gewalt, Inzest und Sex zwischen den Arten, gewann »Bat Boy: The Musical« verschiedene Auszeichnungen und einhellig begeisterte Kritiken.

Die New York Times erklärte: »It’s remarkable what [this show’s] intelligent wit can accomplish«. Die New York Post bezeichnete das Musical als »instant classic« und John Lahr nannte es im New Yorker »a giggling cult hit« und »the only play in the history of the theatre whose hero ends Act I with a rabbit in his mouth, and who moves on in Act II to an entire cow’s head.«

Nicht zufällig feierte das Stück seine Weltpremiere an Halloween. Laurence O’Keefe, der die Idee zu »Bat Boy« hatte, hat sich seine Lorbeeren als Dirigent, Arrangeur, Texter und Komponist erworben. Er schrieb Musik für Film und Fernsehen sowie fürs Theater. Lange Jahre arbeitete er für die Hasty Pudding Theatricals, Amerikas älteste Travestie-Show. Ausgezeichnet wurden seine Kompositionen für Molières »Der eingebildete Kranke« sowie seine Musicals »Euphoria« und »Bat Boy«. Unter anderem erhielt er den LA Weekly Award für das Musical Of The Year. Für »Bat Boy« war kein Musikstil vor O’Keefe sicher: Rap, Rock, Revue-Nummern, Ballade und Country finden sich wie selbstverständlich zu einer mitreißenden Musik zusammen.

Das Ganze begann mit einer Story im Magazin Weekly World News, einem wahrhaft kuriosen Presse-Erzeugnis. Zwischen Infos für UFO-Jäger, Verschwörungstheorien und erregenden Bildern von nackten Frauen fand Laurence O’Keefe hier die Geschichte, wie in einer Höhle in der Nähe des Städtchens Hope Falls in West-Virginia ein Fledermausjunge, ein Wesen mit spitzen Ohren und messerscharfen Fangzähnen eingefangen wurde – offenbar halb Mensch, halb Fledermaus. Diese Schauergeschichte faszinierte ihn auf Anhieb. Und nicht nur ihn. Die Geschichte vom Jungen, der wie Dracula immer mal wieder frisches Blut zum Leben braucht, erzeugte in der Öffentlichkeit eine regelrechte Welle von Abscheu und Schrecken. Wer immer sich diese Geschichte ausgedacht (oder gar gefunden?) hatte, hatte einen Nerv getroffen. Ganz offensichtlich hatte er bei seinen Lesern tiefere Schichten erreicht.

Die Autoren Keythe Farley und Brian Flemming sowie Laurence O’Keefe begannen ihre Zusammenarbeit zu »Bat Boy« mit der Frage: Ist diese Kreatur wirklich so gefährlich oder wird sie einfach nur missverstanden? Geht es um puren Schrecken und Nervenkitzel? Fühlen wir uns vom Fledermausjungen abgestoßen, weil er anders ist als wir oder nur, weil er genau das offenbart, was wir alle insgeheim in uns tragen? Einsamkeit, Angst und Begierden, die für uns oder andere tödlich werden können. Je weiter die Arbeit am Musical voranschritt, desto mehr entfernte sich das Libretto von der ursprünglichen eindimensionalen Geschichte. Aus der anfänglich wilden und blutrünstigen Bestie wurde ein (zumindest partiell) liebenswerter Mensch. Bat Boy lernt sprechen, wird Teil einer typisch amerikanischen Mittelstands-Familie und akzeptiert sich nach und nach selbst als das Geschöpf, das er ist. Er versucht nun, ein Teil der Gesellschaft zu werden. Während eines Gottesdienstes gelingt es dem Wesen beinahe, die Herzen seiner Nachbarn zu erweichen und Aufnahme in die Gemeinschaft zu finden.

Doch grausige Verstrickungen aus der Vergangenheit führen zu einem grotesken, mörderischen Showdown. Auch die Kleinstadt Hope Falls, in der die Magazin-Story und das Musical spielen, wurde während der Arbeiten an Textbuch und Musik immer differenzierter und interessanter. Im Musical hat Hope Falls schon bessere Zeiten gesehen. Die ehemals gewinnbringenden Kohlegruben sind stillgelegt und die Bergleute versuchen sich mit wenig Erfolg in der Viehzucht. Leider rafft eine geheimnisvolle Viehseuche die Kühe reihenweise hin und bringt die Menschen von Hope Falls zur Verzweiflung.

Dann die scheinbare Erklärung: Die drei Teenager Rick, Ron und Ruthie Taylor entdecken in einer Höhle den Fledermausjungen, überwältigen ihn und bringen ihn zum Tierarzt, der ihn einschläfern soll. Parkers Frau Meredith hat jedoch Mitleid mit dem armen Geschöpf und bittet ihren Mann, ihn in der Familie aufwachsen zu lassen. Dr. Parker willigt ein − in der Hoffnung, in die reichlich zerrüttete Ehe werde dadurch die frühere Harmonie und Leidenschaft zurückkehren. Bald wird klar, in Bat Boy steckt mehr als Fangzähne und Blutdurst. Bat Boy erhält Sprach- und Benimmunterricht (beides mit BBC-Kassetten), findet Liebe, und es könnte nun alles so schön werden, wären die Menschen nicht, wie sie sind. Und bräche bei dem Fledermausjungen der Blutdurst nicht immer mal wieder durch …

Außerhalb der USA war »Bat Boy« vor allem in Japan, Korea und Großbritannien außerordentlich erfolgreich. In Deutschland wurde »Bat Boy« bislang nur in München und in Wetzlar gespielt.

Aus dem Blog

Beiträge zu Bat Boy

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Hintergrund
Hintergrund7. April 2008

Geboren aus einer Zeitungsente: das Musical »Bat Boy«

Im Juni 1992 »entdeckte« die Boulevardzeitung »Weekly World News« einen Fledermaus-Jungen in West Virginia – frei erfunden. Wie aus dem langlebigsten Fake-News-Gag Amerikas ein bissiges Off-Broadway-Musical über Massenhysterie, Fremdenfeindlichkeit und Kleinstadt-Bigotterie wurde.

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