Mit diesem Musical fing 1979 alles an: Peter Merck gründete die Musicalgruppe der Goetheschule Wetzlar und brachte das Erstlingswerk von Andrew Lloyd Webber (»Cats«, »Phantom der Oper«, »Evita«) und Tim Rice (»Evita«, »Der König der Löwen«, »Chess«) als deutsche Erstaufführung auf die Bühne. 2019 zeigen wir fast 40 Jahre später eine neue Produktion dieses Musicals für die ganze Familie.
Die biblische Geschichte von Joseph und seinem vielfarbigen Mantel wird in diesem Musical zu modernem Leben erweckt. Joseph, Lieblingssohn seines Vaters, ist mit prophetischen Träumen gesegnet. Von seinen eifersüchtigen Brüdern als Sklave nach Ägypten verkauft, muss Joseph eine Reihe von Abenteuern und Herausforderungen bestehen. Als der Pharao von Josephs Fähigkeit zu hellseherischen Träumen erfährt, steigt dieser zu Ruhm und Ehre auf. Unerkannt begegnet er seinen Brüdern wieder, die sich dem von ihnen Betrogenen bettelnd zu Füßen werfen. Nachdem sich Joseph zu erkennen gegeben hat, kommt es zu einer anrührenden Wiedervereinigung der Söhne Israels. Lloyd Webber hat in diesem Werk alle Register gezogen und eine Musik geschrieben, die Country- und Western-Elemente ebenso umfasst wie Calypso und Rock’n’Roll.
Foto: Annika Honold
Foto: Annika Honold
Foto: Annika Honold
Foto: Annika Honold
Foto: Annika Honold
Foto: Tabea Ott
Foto: Tabea Ott
Foto: Tabea Ott
Foto: Tabea Ott
Foto: Tabea Ott
Foto: Tabea Ott
Foto: Tabea Ott
Foto: Annika Honold
Foto: Annika Honold
Foto: Annika Honold
Foto: Annika Honold
Foto: Annika Honold
Foto: Annika Honold
Foto: Annika Honold
Foto: Annika Honold
Foto: Annika Honold
Foto: Annika Honold
Foto: Annika Honold
Foto: Annika Honold
Foto: Annika Honold
Foto: Annika Honold
Foto: Annika Honold
Foto: Annika Honold
Foto: Annika Honold
Foto: Annika Honold
Foto: Annika Honold
Foto: Annika Honold
Foto: Annika Honold
Foto: Annika Honold
Foto: Annika Honold
Foto: Annika Honold
Foto: Annika Honold
Foto: Annika Honold
Svenja Fennel · Franziska Feth · Angelina Rohovsky · Lisa-Mary Rohovsky · Luna Rohrmann · Lea Sacher · Romy Sukiennik · Lea Viehmann · Kyra Marie Wagner
980 Zuschauer kamen, sahen und klatschten am Ende euphorisch, spendierten standing ovations, feierten die muntere Truppe, die voller Spielfreunde ans Werk ging und stimmlich erstaunlich gut aufgestellt war, aber auch die kraftvollen Chöre, diszipliniert umgesetzte famose Tanzchoreografien und die Musiker (Leitung Andreas Gerhard). Lob gab’s generationsübergreifend, vom älteren Besucher - »war hübsch« - bis zum Teenager - »echt geil!«. Stimmt beides.
Es gibt Abende, auf die freut man sich besonders. Der Donnerstagabend war ein solcher. Weil? Weil sich eine Art Kreis schloss. 1980 war »Joseph« (Andrew Lloyd Webber/Tim Rice) die erste Produktion der vor 40 Jahren von den Lehrern Peter Merck und Peter Marschall (†) gegründeten Musicalgruppe der Goetheschule.
Dreimal habe ich das Stück damals, zwei Jahre nach dem Abitur, gesehen. Die Freude wirkt bis heute nach und erfuhr nun im Rahmen der Festspiele im Rosengärtchen in der Regie von Mark Wiedermann und Julian Goletzka eine Auffrischung.
Zum 40-jährigem Jubiläum gab es eine Neuinszenierung des Stücks, welches damals als erstes Musical 1979 auf die Bühne gebracht worden ist. Julius Himmel gab eine erstklassige Besetzung für den Joseph mit einer kraftvollen tieferen Stimmfarbe, die vor allem bei »Schließt jede Tür vor mir« sehr emotional mitreißend und ausdrucksstark war. Insgesamt war die Cast sehr rund und hervorragend besetzt. Schauspielerisch war jeder Darsteller bei einer Top-Leistung. Das LiveOrchester großartig! Das gesamte Stück wirkte mit seinen modernen Elementen und der lebendigen Cast kein bisschen verstaubt oder altbacken!
Akt I
In einer Schule wird von der Erzählerin die Geschichte von Joseph und seinen elf Brüdern erzählt (»Prolog«). Erwartungsvolle Kinderaugen schauen zu der Erzählerin auf, während diese beginnt, die Geschichte aus dem alten Testament zu erzählen (»Wie vom Traum verführt«):
Vater Jakob lebt mit seinen zwölf Söhnen in Kanaan (»Jacob & Sons«). Schnell jedoch wird klar, dass er einen seiner Söhne mehr liebt als die anderen und so geht er los und kauft diesem Sohn ein wundervolles Kleid mit unglaublich vielen Farben (»Josephs Kleid«). Den anderen Brüdern gefällt das gar nicht. Auch Josephs Träume samt deren Deutungen (»Josephs Träume«) sind ihnen ein Dorn im Auge, da sie darin nicht gut wegkommen. Sie schmieden einen Plan, um den ungeliebten Bruder loszuwerden und verkaufen Papas Liebling an Sklavenhändler. Sein Kleid der vielen Farben zerfetzen sie (»Armer Joseph«), tränken es in Ziegenblut und bringen es dem Vater, der den »Unfalltod« des geliebten Sohnes betrauert (»Ein Engel mehr schwebt am Himmel«). Währenddessen gelangen die Sklavenhändler mit Joseph im Gepäck nach Ägypten (»Reise nach Ägypten«), wo sie ihn an Potiphar, einen wohlhabenden Hauptmann, verkaufen. Dieser wirft Joseph jedoch in den Kerker, nachdem er ihn in flagranti mit seiner Frau erwischt hat (»Potiphar«). Im Kerker ist Joseph nun ganz allein und verliert jede Hoffnung (»Schließt jede Tür«). Doch es gibt ein Licht am Ende des Tunnels: Zwei Gefangene werden zu ihm ins Gefängnis geworfen und er deutet ihre Träume (»Go, go, go Joseph«). Kann er mit seiner Gabe aus seiner Misere entkommen?
Akt II
In Ägypten herrscht der mächtige Pharao, der des Nachts jedoch von kuriosen Träumen gequält wird (»Pharaos Story«). Der arme Mann ist ratlos, doch sein Butler, der aus dem Gefängnis entlassen wurde, kennt da jemanden, der dem Pharao eventuell helfen könnte: Joseph wird an den Hof des Pharao geholt (»Armer Pharao«). Der Pharao vertraut seine bizarren Träume Joseph an (»Der Song des King«), der nach kurzem Überlegen eine Deutung parat hat (»Pharaos Traum gedeutet«): Es steht eine große Missernte bevor und nur ein Mann mit planwirtschaftlichem Verständnis kann die Katastrophe abwenden. Und wer würde sich dafür besser eignen als Joseph, findet der Pharao und ernennt Joseph zu seinem Stellvertreter (»Mich tritt ein Pferd«).
Joseph führt Ägypten durch die Krisenjahre. Zur gleichen Zeit herrscht bei Josephs Familie in Kanaan Hunger. Sie erinnern sich an bessere Zeiten (»In Kanaan einst«), doch als sie von dem Reichtum in Ägypten erfahren, reisen sie dorthin (»Die Brüder kommen nach Ägypten«). Sie betteln den vornehmen Herrn, den sie nicht als ihren Bruder erkennen, um Essen an. Dieser amüsiert sich darüber und beschließt, ihnen einen Streich zu spielen (»Einschleim, einschleim«). Joseph testet seine Brüder und versteckt einen Kelch im Sack des Kleinsten (»Na wer war’s?«). Doch die Brüder halten zusammen und verteidigen ihren Jüngsten (»Benjamin Calypso«). Am Ende gibt sich Joseph zu erkennen (»Joseph jetzt wie einst«) und sogar Jakob folgt seinen Söhnen und sieht den totgeglaubten Sohn wieder (»Jakob in Ägypten«). Die Familie ist wiedervereint (»Finale«).
Im Sommer 1967 beauftragte der Musiklehrer Alan Doggett von der Londoner Colet Court School (seit 2016 »St Paul’s Juniors«), eine Grundschule für Jungen von 7 bis 13 Jahren, bei Tim Rice (damals 24 Jahre) und Andrew Lloyd Webber (20 Jahre) ein 20-minütiges Werk zur Aufführung mit dem Chor der Schule zum Jahresabschluss. Zuvor hatten beide bereits mit Doggetts Unterstützung »The Likes of Us« geschrieben, das allerdings scheiterte und erst 2005 zur Uraufführung kam.
Auf der Suche nach einem geeigneten Stoff für ein »pop cantata« stieß Rice in einem Buch mit Bibelgeschichten für Kinder auf die Geschichte von Joseph und seinen Brüdern. Beide machten sich sofort daran, das kurze Werk von rund 20 Minuten Länge zu schreiben. Die Eltern, vorwiegend Mütter, die am 1. März 1968 in die große Halle der Colet Court School kamen hatten keine großen Erwartungen und waren umso erstaunter. Neben 200 Schülern stand ein Orchester aus Musikstudenten, die regional bekannte Band »The Mixed Bag« und einige Solisten auf der Bühne, die Tim Rice aus seinem Job beim Musikverlag EMI kannte. Sofort im Anschluss an das erstaunliche Konzert verlangten die Anwesenden ein zweites Konzert, welches kurz darauf angesetzt wurde.
Nach diesem zweiten Konzert nahm der Musikverlag Novello das Werk unter Vertrag und zahlte einen Vorschuss von 105 Pfund. Unter den anwesenden Eltern war ein Musikkritiker der Sunday Times, der das Werk in höchsten Tönen lobte und so kam es sowohl zu einem Plattenvertrag mit Decca Records als auch einer dritten Aufführung in St Paul’s Cathedral im November 1968, bei der das Werk bereits 35 Minuten lang war.
Anfang 1969 erschien bei Novello die Noten- und Textausgabe als drittes Werk in der Reihe der Pop Cantate nach dem Alten Testament. Bereits im Sommer 1968 hatte Decca Records das Werk aufgenommen und 1969 erschien die Aufnahme mit David Daltrey als Joseph, Tim Rice als Pharao, den Mitgliedern von The Mixed Bag als weitere Sänger und dem Chor von Colet Court. William Lloyd Webber spielte auf dieser Aufnahme die Hammond-Orgel.
1970 gab es die ersten Aufführungen des Cantate in den USA und im August und September 1972 die erste inszenierte Aufführung unter der Regie von Frank Dunlop durch die Young Vic Theatre Company beim Edinburgh International Festival mit Gary Bond als Joseph, Peter Reeves als Erzähler und Gordon Waller als Pharao. Die Musikalische Leitung übernahm erneut Alan Doggett. Die Vorstellung unter dem Titel »Bible One: Two Looks at the Book of Genesis« enthielt im ersten Teil sechs »Wakefield Mystery Plays« mit Musik von Doggett und im zweiten Teil »Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat«.
Die Produktion kam 1973 für 243 Vorstellungen ins Londoner West End, wo die »Wakefield Mystery Plays« durch »Jacob’s Journey« von Ray Galton und Alan Simpson mit Musik von Lloyd Webber und Rice ersetzt wurde. Diese Musik wurde schließlich zu großen Teilen in eine längere Fassung von Joseph übernommen und diese neue Form für alle weiteren Aufführungen, bis das Stück schließlich für eine neue Produktion London 1991 erneut überarbeitet wurde.
Die erste Produktion in Deutschland zeigte im Januar 1980 die Musicalgruppe der Goetheschule Wetzlar im Forum des Schulzentrums an der Frankfurter Straße.
*von Romy Sukiennik*
Weiterlesen →»Die älteste Amateurmusicalgruppe Deutschlands feiert in diesem Jahr ihr 40-jähriges Bestehen.« Zum Jubiläum der Musicalgruppe schrieb der Hessische Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz ein Grußwort, das im Programmheft zu »Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat« erschien.
Weiterlesen →Am 1. März 1968 spielte ein Londoner Schulchor ein gerade einmal fünfzehn Minuten kurzes Stück: die biblische Josefsgeschichte im Pop-Stil. Niemand ahnte, dass hier die erfolgreichste Partnerschaft der Musicalgeschichte begann – und aus dem kleinen Chorstück eines der meistgespielten Musicals der Welt wurde, das 1980 seine deutschsprachige Erstaufführung bei der Musicalgruppe der Goetheschule Wetzlar erlebte.
Weiterlesen →*Heike Krohn machte ihr Abitur an der Goetheschule Wetzlar im Jahr 1980 und stand bei der ersten Produktion »Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat« als Gad auf der Bühne. Ihr Bericht erschien zuerst in LoGo, dem Magazin der ehemaligen Goethe- und Lotteschüler (Ausgabe 02/18).*
Weiterlesen →