Wer war diese »Santa Evita«? Dies fragt Ché, bevor er zu erzählen beginnt, wie die in verarmten Verhältnissen aufgewachsene Maria Eva Duarte zur schillernden Persönlichkeit der Evita Perón wurde.
Eine Heilige oder nur eine mittelmäßige Schauspielerin? Während die strahlende Ikone der einfachen Bevölkerung Argentiniens ihre Treue zu Argentinien zeigt, spricht aus Ché der Widerstand der Studentenbewegung, die Evitas Aufstieg mit Skepsis betrachtet. Die Rolle ist zwar der historischen Figur des Ché Guevara nachempfunden, jedoch sind Ché und Eva sich in Wirklichkeit nie begegnet.
Selbst über 50 Jahre nach ihrem Tod, beeindruckt die Erinnerung an die ehemalige Primera Dama Argentiniens die Menschen auf der ganzen Welt.
EVITA ist ein Stück über eine Frau, die gegen alle Widerstände in der Gesellschaft nach oben gelangt ist, die »jung, schön und geliebt« war, jedoch auch Zentrum vieler Kontroversen und zu guter Letzt: nicht mehr als ein Mensch.
Foto: Michel Honold
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Foto: Karl-Heinz Sellig
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Evita überstrahlt sie alle. In einem atemberaubenden weißen Prinzessinnenkleid hebt die zierliche Anna Rühl die Arme zum Appell ans Volk: »Wein nicht um mich Argentinien.« Dies ist zu Anfang bereits eine Rückblende auf den Höhepunkt von Evitas Karriere und zugleich ist es der bekannte Song dieses Musicals – einer, auf den jeder im Saal wartet. Die 17-jährige Schülerin meistert ihn mit frischer jugendlicher Leichtigkeit, viel Anmut und Professionalität. [...] Am Ende ihres kurzen Lebens hält die 33-jährige Evita selbst Rückschau, und dem Zuschauer wird noch einmal vor Augen geführt, wie oft das Ensemble in den letzten zwei Stunden die Garderobe wechseln musste, wie diskret die Requisite arbeitete. [...] Übrig blieb von Evita nur der Glanz – als Zugabe in Wetzlar noch ein gemeinsames »Wach auf Argentinien«.
Einen besseren Startschuss hätten sich die Festspiele kaum wünschen können, denn zum Auftakt des Rahmenprogramms sorgte die Musicalgruppe der Goetheschule mit »Evita« für ein echtes Glanzlicht. Mit beeindruckender Spielfreude begeisterten die Schüler bei der Premiere am Dienstagabend die rund 1100 Gäste in der ausverkauften Stadthalle. Und am Ende gab es wahre Beifallsstürme von den Zuschauern, die sich nach mehreren Vorhängen noch eine Zugabe erklatschten.
Hut ab vor der Leistung der Goethe-Schüler, die mit erstklassigen Stimmen, gelungener Charakterdarstellung und feiner Instrumentalmusik ein Stück auf die Bühne zauberten, für dessen temporeiches Esprit es im Grunde nur ein Wort gibt: atemberaubend.
Es war ein erstklassiger Musicalabend in der Stadthalle, bei dem von den Schauspielern über den Chor unter der Leitung von Stefan Zink, das Orchester unter Martin Spahr, die Choreographie von Theresa Gehring bis zu Kostümen, Ton und Licht wirklich alles stimmte. Das gesamte Ensemble zeigte eine Leistung, die professionellen Ansprüchen genügte. Das Resultat war ein Musicalabend, der noch auf dem Heimweg seine beschwingende Wirkung beibehielt.
Ein tolles Musical: super gemacht, tolle stimmen und gute schauspielerische Leistung! Ich freue mich schon auf die nächsten Vorstellungen.
26. Juli 1952 in Buenos Aires: Der Tod von Eva Perón, bekannt als Evita, erschüttert Argentinien, die »geistige Führerin der Nation« hat ihr Volk für immer verlassen. Doch während das Land trauert, blickt der Student Che zynisch auf ihr Leben zurück.
17 Jahre zuvor in einer ländlichen Kleinstadt: Die fünfzehnjährige Provinzschönheit Eva Duarte verführt den Tangosänger Agustín Magaldi und überredet ihn, sie nach Buenos Aires zu bringen. Eva verlässt ihn und wird durch zahlreiche Liebschaften erst Modell, dann Radio-Star und schließlich Schauspielerin.
Zugleich arbeitet auch der General Juan Perón an seinem Aufstieg. Als beide bei einem Wohltätigkeitsball aufeinander treffen, erkennen sie, dass sie sich von großem Nutzen sein können. Gemeinsam steigen sie in die höheren gesellschaftlichen Kreise Argentiniens auf. Eva muss sich dort gegen die Verachtung von Aristokraten und Militärs behaupten, jedoch mit Unterstützung der Gewerkschaften und Evas Einfluss auf die Arbeiter und Bauern erreicht sie Peróns Wahl zum Präsidenten Argentiniens.
Während Eva sich dem Volk gegenüber als eine von ihnen darstellt, gibt sie sich Luxus und Eitelkeit hin. Che erinnert sie jedoch an ihr Versprechen, die Situation der Armen im Land zu verbessern. Eva sammelt Geld und hilft damit den Bedürftigen, auch wenn dabei einiges unbemerkt auf Schweizer Banken verschwindet. Doch das begeisterte Volk feiert Eva unbeirrt als Heilige »Santa Evita«.
Auf ihrem Karrierehöhepunkt angelangt erkrankt Eva schwer. Unter dem Druck des Militärs und aufgrund ihrer Gesundheit, zieht sie ihre Kandidatur zur Vizepräsidentschaft zurück und trotz aller Mühen, kann man Eva nicht heilen. In einer letzten Radioansprache beschwört sie ihre ewige Liebe und Treue zu Argentinien und seinem Volk.
Nach ihrem Tod wird ihr Körper einbalsamiert und soll in einem Mausoleum ruhen, von dem jedoch nur der Sockel gebaut wird. Die Leiche Evitas wird außer Landes gebracht und bleibt 17 Jahre lang verschwunden.
Von Tim Rice, Autor des Librettos von »Evita«
Nicht alle der zahlreichen, recht fantastischen Geschichten über Eva Perón entsprechen der Wahrheit – aber ohne Frage: Sie war eine außergewöhnliche Frau. Kein Mensch kann Evita vorwerfen, dass sie sich verbissen aus der Gosse nach oben kämpfen wollte…
Als ich Ende 1973 in meinem Autoradio die letzten 10 Minuten einer Sendung über Eva Perón hörte, war ich keinesfalls sofort von der Idee elektrisiert, dass wir hier – nach unserem phänomenalen Erfolg mit »Jesus Christ Superstar« – unsere ideale Story gefunden hätten. Aber immerhin war ich doch genügend davon gefesselt, um mir in den nächsten Tagen die Aufzeichnung der Sendung zu besorgen. Nachdem ich endlich das ganze Eva Perón-Funkprogramm gehört hatte, war ich geradezu begierig auf ihre Lebensgeschichte. Ihre Entschlossenheit, gegen unüberwindliche Unterschiede anzugehen, der Kampf einer Frau in einer von Männern beherrschten Gesellschaft, ihr Mut in Krankheit und Tod und – nicht zuletzt – ihre beeindruckende Erscheinung hatten mich gepackt. Man kann es wahrlich als Tragödie bezeichnen, dass sie ihre Talente, ihre einmalige Energie nicht für würdigere Ziele eingesetzt hat.
Nachdem wir beide, Andrew Lloyd Webber und ich, der Meinung waren, dass die Geschichte der Eva Perón stark und interessant genug sein könnte, um »Nachfolger« von »Superstar« zu werden, schrieb ich eine recht vollständige Inhaltsangabe der Handlung, die im Laufe der Zeit zwar zahlreichen und erheblichen Änderungen unterworfen wurde, aber doch in ihrer frühesten Form Andrew schon in die Lage versetzte, mit der Arbeit an ein oder zwei wichtigen musikalischen Themen zu beginnen. Dass eines davon am Ende die Melodie von »Don’t Cry For Me, Argentina« wurde, gab mir natürlich gewaltigen Auftrieb, denn ich wusste sofort, dass das der beste Song war, den Andrew bis jetzt geschrieben hatte.
Ende 1975 mussten wir uns entscheiden, ob wir eine Plattenaufnahme machen oder uns nach jemandem umschauen sollten, der es auf die Bühne bringen könnte. Wir beschlossen, »Evita« erst einmal auf Platte herauszubringen. Diesen Weg waren wir bereits mit »Superstar« sehr erfolgreich gegangen. Durch Zufall hatten wir so nämlich eine wirklich gute Methode entdeckt, um ein Musikwerk, das für das Theater bestimmt ist, optimal einzuführen.
Das Jahr 1976 verbrachten wir damit, die Plattenaufnahme vorzubereiten und einzuspielen, und im November dieses Jahres erblickte unser Werk endlich das Licht der Welt, als das Doppelalbum von »Evita« in England auf den Markt kam. Während der kommenden 12 Monate wurde die Aufnahme weltweit recht populär, mit einer bemerkenswerten Ausnahme: Argentinien, wo die Platten bedauerlicherweise verboten wurden.
Von Kindesbeinen an war Eva Perón von dem sehnsüchtigen Wunsch nach Macht beseelt. Dieses Verlangen wurde durch einen heftigen Groll auf die privilegierten Schichten genährt, der mit der Tatsache zusammenhängt, dass sie selbst völlig verarmt und ohne jedes Vorrecht geboren wurde; viele wollten und konnten sie eben wegen ihrer bescheidenen Herkunft nie wirklich akzeptieren. Wenn sie in den Augen des etablierten Systems keine Anerkennung erreichen konnte, dann musste eben dieses System verändert werden.
Als Perón schließlich die Herrschaft in Argentinien übernahm, führte er den so genannten Justicialismo als offizielle Ideologie ein. Der Justicialismo wurde von Perón als Alternative sowohl zum Kapitalismus als auch zum Kommunismus dargestellt, als »dritte Kraft« zwischen Ost und West. In Wahrheit aber verkörperte Perón nichts mehr und nichts weniger als den ganz alltäglichen Faschismus, aber das Konzept des Justicialismo war der vollkommene Brennpunkt für Evas Fantasien, die sich an der Vorstellung entzündeten, Führer auf der unermüdlichen Suche nach dem Ideal zu sein.
Kein Mensch kann Evita vorwerfen, dass sie sich verbissen aus der Gosse heraus nach oben kämpfen wollte, und sicher war es ihr aufrichtiger Wunsch, größere soziale Gerechtigkeit in Argentinien verwirklicht zu sehen – ein Wunsch, der bis zu ihrem Ende trotz des erschreckenden Durcheinanders ihrer Gefühle unverändert galt. Hätte eine völlig selbstsüchtige Person sonst die letzten grauenvollen Monate mit solcher Würde durchstehen können? Sie schien tatsächlich zu glauben, sie sterbe für ihr Volk, sie wäre fähig es zu tun, denn sie glaubte auch fest daran, dass sie seit 1945 dessen Retterin gewesen sei.
Morgen und Übermorgen sind wir mit einem Gastspiel von EVITA auf der Freilichtbühne in Augsburg zu Gast. Dafür wird seit vergangenem Freitag wieder geprobt und seit Dienstag laufen die Vorbereitungen dafür, unsere Produktion nach Augsburg zu bringen.
Weiterlesen →193 Tage vor der Premiere im Probenlager Weilburg, drei Tage Aufbau auf der Freilichtbühne – und die alljährliche Wetterentscheidung per Anruf beim Deutschen Wetterdienst.
Weiterlesen →Heilige oder Demagogin, Anwältin der Armen oder das strahlende Gesicht einer Diktatur? Wer die echte Eva Perón war – ihr Märchenaufstieg, ihre Selbstinszenierung, die Schattenseiten des Peronismus und die bizarre Odyssee ihres Leichnams.
Weiterlesen →Der Erfolgskurs der Musicalgruppe hält an: Nachdem die Premieren der Musicals »Jekyll & Hyde« (2009) und »3Musketiere« (2010) der Goetheschule Wetzlar schon in den vergangenen Jahren jeweils die erfolgreichsten Veranstaltungen der Wetzlarer Festspiele waren, wird dieser Trend von der aktuellen Produktion von Andrew…
Weiterlesen →Franziska Ritz, eine von drei Evita-Darstellerinnen, über die schillernde Eva Perón, den Respekt vor einer realen Person – und ein Kleid, das sie eigentlich gar nicht tragen wollte.
Weiterlesen →Am vergangenen Dienstag wurde es wie in jedem Jahr so langsam Zeit, ein nettes Foto für die Presse und das Libretto der Wetzlarer Festspiele zu machen. Schon im Oktober hat unsere Kostümchefin Johanna Hofmann nach historischen Fotos von Eva Perón ein Kleid für die legendäre Balkonszene entworfen und für unsere drei…
Weiterlesen →Wie in jedem Sommer gab es wieder endlose Überlegungen und Diskussionen darüber, welches Stück wir im kommenden Jahr auf die Bühne bringen. Es gab dutzende Vorschläge und wir haben mit fast allen Theaterverlagen in Deutschland und vielen wichtigen Produzenten weltweit gesprochen, um ein Musical zu finden, dass alle…
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