Archiv · 2012

Frühlings Erwachen

Premiere
25. Mai 2012
Wo
Wetzlarer Festspiele (Rosengärtchen) & Bürgersaal Büblingshausen
Vorstellungen
9
Worum es geht

FRÜHLINGS ERWACHEN erzählt die einfühlsame Geschichte einer Gruppe Jugendlicher um Melchior, Moritz und Wendla, die in der Zeit des Kaiserreichs mit den Herausforderungen des Erwachsenwerdens zu kämpfen haben. Während die prüde und beengende Gesellschaft sie ständig unter Druck setzt, müssen sie selbst herausfinden, was es heißt, ihren eigenen Weg zu finden und zu erkämpfen. Dabei droht ständig die Gefahr, sich selbst zu verlieren und am

Widerstand gegen die Konventionen zu zerbrechen. Doch wie wird man erwachsen, wenn man sich schämt, über Sexualität zu sprechen? Wie kann

man zu leben lernen, wenn man nichts hinterfragen und niemals versagen darf? Wie spricht man über die Dinge, die nur die Dunkelheit weiß? Die Geschichte berührt viele sensible und heute ebenso aktuelle Themen wie Sexualität, soziale Zwänge, Selbstfindung, Homosexualität, Schwangerschaft und Misshandlung.

FRÜHLINGS ERWACHEN von Steven Sater (Buch und Texte) und Duncan Sheik (Musik) basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück von Frank Wedekind, das Anfang des 20. Jahrhunderts uraufgeführt wurde. Zu seiner Zeit war das Werk unglaublich fortschrittlich und offensiv, wodurch es für großen Wirbel sorgte mit seiner Darstellung von Sexualität und Kritik an bestehenden Erziehungsnormen des Kaiserreichs. Die Musical-Adaption SPRING AWAKENING wurde mit

Begeisterung vom Publikum des Broadways aufgenommen. Neben vielen anderen Preisen erhielt das Stück 2006 den Tony Award für das Beste Musical.

Mitwirkende

Ensemble
WendlaAnna Rühl · Ada Wiedermann-Gralla
MelchiorAntonio Sasso · Silko Harbich
MoritzCornelius Schreiber · Robin Lautenbacher
MarthaSvenja Göbel · Sarah Strunk
IlseFranziska Ritz · Charlotte Skill
AnnaVanessa Latendorf · Jennie Paroci
TheaVeronika Kieslev · Lisa Zipp
OttoOliver Huttel
HänschenNils Friedchen
ErnstFlorian Moll
GeorgMark Wiedermann-Gralla
Herr Knochenbruch & Herr NeumannGregor Reuschling · Lukas Berkenkamp
Herr RilowCornelius Schreiber · Robin Lautenbacher
Herr Gabor & Herr StiefelCornelius Schreiber · Phil Möhler
Herr Neumann & Pastor KahlbauchOliver Huttel · Colin van der Linden
Frau BergmannAnne Schäfer · Kathleen Müller-Franz
Frau GaborMadeline Rexin · Bettina Kühn
Frl. KnüppeldickMaike Fischer · Jihan Belhoula
Frl. GroẞbüstenhalterLaura Königer
Frau BessellJohanna Hofmann · Wiebke Dross
Swing IBettina Kühn · Anja Mischutin
Swing IIAnne Schäfer · Kathleen Müller-Franz
In weiteren Rollen

Nathalie Christian · Laura Eckert · Christian Huttel · Anna-Maria Karle · Lucia Komesker · Mirjam Lerch · Anne Schmitt · Alva Speth · Elisabeth Tippman · Jenni Wollny

Orchester
ViolineNina Brandau
BratscheManuela Bellof
CelloLea Hähnel
Keyboard 1Elija Kaufmann
Keyboard 2Nils Berger
Gitarre 1Christian Ziegler · Marcel Rudert
Gitarre 2Christian Ziegler · Silko Harbich
BassNiels Dietrich
SchlagzeugPatrick Quoika
Kreativteam
RegieJulian Goletzka · Jennifer Paroci · Martin Schmidt
Musikalische LeitungElija Kaufmann
ChoreografieNathalie Christian
ChorleitungStefan Zink
Vocal CoachingAnnette Hecht
KostümbildJohanna Hofmann
RequisiteAnnika Honold
Produktion
Produziert vonMichel Honold · Florian Ostertag · Christian Ziegler
ProduktionsassistenzMarcel Rudert
Technische LeitungMerlin Bähr · Erik Offenbach
Technische SupervisionKai Offenbach
Public RelationsBettina Kühn
FundraisingMoritz Feuerbach · Anne Schmitt

Das allseitige Schweigen ist bitter - die Jugendlichen fühlen sich weder ernst genommen noch verstanden, und die Gesellschaft hat zu dem allem nichts zu sagen.
Das Regieteam um Martin Schmidt bringt das Pop-Rock-Musical mit viel Liebe zum Detail auf die Bühne, begleitet von einem beeindruckenden Klangteppich und getragen von einem hervorragenden Orchester unter der Leitung von Elija Kaufmann. Bemerkenswert sind auch die Möglichkeiten der Bühne mit ihren wechselnden Spielorten, die ausgiebig genutzt werden.

Wetzlarer Neue Zeitung · 27.05.2012

Die Zuschauer erlebten ein Schauspiel in gewohnt guter Qualität. [...] Szenenapplaus gab es für die Publikumslieblinge Ernst (Florian Moll) und Hänschen (Nils Friedchen), die eine homosexuelles Pärchen spielten, ebenso für das Lied »Völlig im Arsch«, das als Zugabe nochmal zum Besten gegeben wurde. [...]
Die Gratwanderung zwischen dem ursprünglichen Drama und moderner Interpretation gelang bestens - und die Darsteller verließen nach knapp zweieinhalb Stunden unter Applaus die Bühne.

mittelhessen.de · 26.05.2012

Den stärksten Eindruck hinterlassen in Wetzlar die Frauen Anna Rühl als Wendla, Svenja Göbel als Martha und vor allem Franziska Ritz als Ilse. Auch Jihan Belhoula als Frl. Knüppeldick fällt durch ihre ungemein komische Darstellung auf. [...] Die stärkste Szene der Produktion ist »Im Arsch«. Mit Trommeln, eckigen Bewerbungen und dem gesamten Ensemble auf der Bühne ist diese sehr gelungen dynamisch umgesetzt.

Blickpunkt Musical · 02/2012

Spring Awakening ist ja eigentlich ein Stück für sehr wenige Darsteller, das ohne Ensemble gespielt wird. In dieser Inszenierung stehen aber über 40 Darsteller gleichzeitig auf der Bühne, was auch gut funktioniert. [...] Durchweg sind die Rollen überzeugend gespielt und glaubhaft. Besonders gilt dies für das Duo aus Lehrerin und Direktor, das ungleicher kaum sein könnte.

musicalzentrale.de Bewertung · 26.05.2012

Handlung

1. Akt

Wendla Bergmann bittet ihre Mutter darum, ihr zu erklären, woher Kinder kommen, doch Frau Bergmann kann sich nicht dazu durchringen, ihre Tochter aufzuklären und weicht der Bitte aus.

Zugleich leidet eine Gruppe Jungen unter dem starken Druck der Schule, darunter Melchior Gabor und Moritz Stiefel. Moritz hat große Probleme in der Schule und zudem machen ihm erotische Träume zu schaffen. Melchior ist im Gegensatz zu ihm ein wahrer Freidenker – was ihm auch Ärger mit Lehrern beschert – und zudem sexuell aufgeklärt. Er verfasst für Moritz einen Aufsatz mitsamt Bildern.

Wendlas Freundin Martha enthüllt, dass sie von ihrem Vater missbraucht wird. Wendla empfindet tiefes Mitgefühl und zugleich Unverständnis. Als sie im Wald Melchior trifft, bittet sie ihn, sie zu schlagen, um herauszufinden, was Martha empfindet, was dieser ablehnt. Auf ihr Drängen hin, schlägt er sie schließlich und läuft verstört davon.

Moritz hat unterdessen herausgefunden, dass er nicht versetzt wird. Da er nicht auf das Verständnis seines Vaters zählen kann und auch sein Plan, nach Amerika zu fliehen, nicht umsetzbar ist, beschließt er, sich umzubringen.

Als Wendla und Melchior sich wieder treffen, kommen sich beide sehr nahe und obwohl zumindest Wendla die Bedeutung ihres Vorgehens nicht klar ist, schlafen sie miteinander.

2. Akt

Moritz wandert mit einer Pistole alleine draußen herum, als er Ilse trifft, die unter Künstlern lebt. Doch Moritz geht auf ihr Angebot, mit ihr zu kommen, nicht ein. Zu spät bereut er seine Entscheidung: Als Ilse fort ist, erschießt er sich.

Die Schule führt aufgrund von Moritz’ Selbstmord eine Untersuchung durch, die enthüllt, dass Melchior Moritz Briefe zur sexuellen Aufklärung schrieb. Man gibt ihm keine Möglichkeit zur Rechtfertigung, sondern verweist ihn der Schule.

Gleichzeitig kommen sich seine Klassenkameraden Hänschen und Ernst näher und teilen ihre Liebe.

Als herauskommt, dass Wendla von Melchior schwanger ist, entschließen sich Melchiors Eltern, ihren Sohn in eine Korrektionsanstalt zu schicken. Wendlas Mutter initiiert eine Abtreibung.

Melchior schafft es jedoch, aus der Anstalt zu entkommen und schreibt Wendla, um sich mit ihr auf einem Friedhof zu treffen. Doch sie hat die Abtreibung nicht überlebt und Melchior entdeckt nur das Grab von ihr und das von Moritz. In seiner Verzweiflung beschließt Melchior, sich umzubringen, doch die Geister von Wendla und Moritz steigen aus ihren Gräbern auf und überzeugen ihn davon, weiter zu leben und die Erinnerung an sie wach zu halten.

»Spring Awakening« von Steven Sater (Buch und Texte) und Duncan Sheik (Musik) basiert auf dem Theaterstück »Frühlings Erwachen« von Frank Wedekind, das Anfang des 20. Jahrhunderts uraufgeführt wurde. Es erzählt von Jugendlichen, unter anderem Wendla, Melchior und Moritz, die in einer prüden Gesellschaft selbst herausfinden müssen, was es heißt erwachsen zu werden, mit ihrer Sexualität umzugehen und für ihre eigenen Überzeugungen einzutreten. Dabei droht jedoch auch ständig die Gefahr, sich selbst zu verlieren und am Widerstand gegen die Konventionen zu zerbrechen.

Obwohl »Frühlings Erwachen« bereits 1891 von Wedekind selbst auf eigene Kosten veröffentlicht wurde, kam es erst 1906 zur Uraufführung, an der Wedekind selbst mitwirkte. Wedekind war unter anderem durch seine eigenen Erfahrungen zu seinem Erstlingswerk inspiriert worden.

Das Stück schlug buchstäblich ein und sorgte für großen Wirbel mit seiner Darstellung von Sexualität und Kritik an bestehenden Erziehungsnormen des Kaiserreichs. Infolgedessen wurde es zensiert und verboten. Zu seiner Zeit war »Frühlings Erwachen« unglaublich fortschrittlich und offensiv. Seine Kritik zeigt sich auch an der starken Überzeichnung der erwachsenen Charaktere.

Der Titel »Frühlings Erwachen« lässt sich gleich mehrfach deuten. Zum einen ist es eine Umschreibung der Pubertät und der Sexualität, welche die Jugendlichen auch unter großem gesellschaftlichem Druck gerade entdecken. Zum anderen greift der Titel auf das Ende vor, an dem sich Melchior zuletzt doch für das Leben entscheidet.

Für die Zeit des Kaiserreichs war es nicht üblich, Jugendliche aufzuklären oder ihnen überhaupt einen Lebensabschnitt wie die Pubertät zuzusprechen: Eine Phase der Selbstfindung und des Aufbegehrens. Die Erziehung lag, viel mehr als man es sich heute vorstellen mag, nicht nur bei den Eltern, sondern auch zu einem Großteil bei der Schule. Die Einmischung der Schule in jenen Teil des Lebens, den man heute als »privat« bezeichnen würde, war normal und erhöhte den Druck auf die Heranwachsenden.

Heute ist »Frühlings Erwachen« eine verbreitete Schullektüre und manche der Probleme von Wendla, Melchior, Moritz und all den anderen sind schwer nachvollziehbar, wenn man sie nicht vor dem historischen Hintergrund betrachtet. Doch eines ist geblieben: Die Probleme des Erwachsenwerdens, sich selbst Findens und zu lernen, seine Persönlichkeit durchzusetzen.

Entstehung

Als Frank Wedekind zwischen dem Herbst 1890 und dem Frühjahr 1891 in München »Frühlings Erwachen« niederschrieb, gab er dem Stück den Untertitel »Eine Kindertragödie« – und meinte das wörtlich. Erstmals rückte ein deutschsprachiges Drama die Nöte Heranwachsender ins Zentrum: das Erwachen der Sexualität, die Scham, die Sprachlosigkeit zwischen den Generationen und den Suizid. Für die Figur des Moritz Stiefel griff Wedekind auf zwei Mitschüler zurück, die sich als Jugendliche das Leben genommen hatten. Sein erklärtes Anliegen war weniger Provokation als Aufklärung: Er wollte die Erscheinungen der Pubertät so darstellen, dass Eltern, Lehrer und Erzieher zu einem menschlicheren Urteil fänden.

Die Zeit war dazu nicht bereit. Ein Münchner Verlag lehnte den Druck aus Furcht vor rechtlichen Folgen ab, und so brachte Wedekind das Stück 1891 auf eigene Kosten in Zürich heraus – sein erstes gedrucktes Buch, das zunächst kaum Beachtung fand. Zur Uraufführung kam es erst am 20. November 1906, unter der Regie Max Reinhardts an den Berliner Kammerspielen, und auch das nur in einer von der Zensur beschnittenen Fassung. Über Jahrzehnte blieb »Frühlings Erwachen« ein Reizwort; bis in die 1960er Jahre hatte das Stück mit Verboten zu rechnen.

Rund ein Jahrhundert später stieß der amerikanische Dramatiker und Lyriker Steven Sater auf den Stoff und erkannte, wie wenig dessen Fragen an Dringlichkeit verloren hatten. 1999 gewann er den Songwriter Duncan Sheik für die Idee, das Drama zu vertonen – eine ungewöhnliche Wahl, denn Sheik kam aus dem Pop und nicht vom Theater. Von Beginn an verständigten sich beide auf ein Prinzip, das die Form des Abends bestimmen sollte: In den Liedern sprechen die Figuren nicht miteinander, sie geben ihrem Innersten Stimme. Die Handlung bleibt im wilhelminischen Deutschland verankert; die Musik aber gehört der Gegenwart – ein Rock, der aussprechen darf, was die Konvention verschweigt.

Bis zur fertigen Fassung vergingen sieben Jahre. Ihre bühnenwirksame Gestalt verdankt die Uraufführung dem Regisseur Michael Mayer, der jenes Grundprinzip in ein sichtbares Zeichen übersetzte: Wo die Figuren im gesprochenen Text im gemessenen Ton ihrer Zeit verharren, greifen sie im Lied zum Handmikrofon und wenden sich, wie bei einem Rockkonzert, unmittelbar ans Publikum. Das Mikrofon markiert den Übertritt aus der äußeren, verklemmten Welt in den inneren Raum der Figur; während einer Nummer erstarrt, wer nicht singt. So werden zwei Ebenen fühlbar, die im Alltag der Jugendlichen unvereinbar bleiben – die Konvention, die sie umgibt, und die Wahrheit, die sie in sich tragen.

Im Mai 2006 erlebte »Spring Awakening« seine Premiere Off-Broadway an der Atlantic Theater Company, ehe es im Dezember an den Broadway übersiedelte und mit acht Tony Awards und einem Grammy ausgezeichnet wurde. Wedekinds Kindertragödie hatte, in neuer Sprache, ihr Publikum gefunden.

Aus dem Blog

Beiträge zu Frühlings Erwachen

Alle Beiträge →
Hintergrund
Hintergrund25. Mai 2012

Produktionstagebuch: »Frühlings Erwachen« 2012

Vom Probenwochenende in Weilburg (samt Pfeifenmörder) über die Gewitter-Nervenprobe und den Premierenabend im Rosengärtchen bis zum Countdown-Aufbau in Büblingshausen: noch 120 Stunden bis zur Show.

Weiterlesen →
Hintergrund15. März 2012

Von Wedekinds Kindertragödie zum Rockmusical

Fünfzehn Jahre wagte niemand, es aufzuführen, jahrzehntelang wurde es zensiert – und über hundert Jahre später gewann es am Broadway als Rockmusical acht Tony Awards. Wie aus Frank Wedekinds skandalöser »Kindertragödie« von 1891 ein Stück wurde, das bis heute nichts von seiner Brisanz verloren hat.

Weiterlesen →
Ankündigung
Ankündigung8. August 2011

Unser Stück 2012: »Frühlings Erwachen«

Wir spielen im kommenden Sommer »Frühlings Erwachen«, ein neues Musical von Steven Sater und Duncan Sheik nach dem Skandalstück von Frank Wedekind.

Weiterlesen →
Aus dem Archiv

Weitere Produktionen

Unser Archiv →
Unterstützt von